Kosten im Gesundheitswesen.
Die Kosten im Gesundheitswesen sind ein ganz leidiges Thema. Die Medien berichten in z.T. sträflicher Weise sehr einseitig darüber. Oft hat man als Leser den Eindruck, aus berechnenden Gründen der Absatz-Ankurbelung, vor allem dann, wenn auf den Ärzten herumgehakt wird, die über lange Zeit in der Darstellung vor allem der Printmedien locker als hauptsächliche Bösewichte hingestellt wurden. Die Sache ist nun aber viel komplexer.
Unseres Erachtens sind folgende Gründe schwerwiegend für die laufend wachsenden Kosten:
1) Das Patienten-Verhalten:
Ein ganz wichtiger Faktor wird dabei fast immer ausgenommen, es scheint für die Zeitungen und Heftli ein Tabu-Thema zu sein, eine „heilige Kuh“: es ist der Patient als Kostentreiber (wobei der Patient absolut nicht zur Kuh degradiert werden soll und das Bild der heiligen Kuh schon längst existiert). Der Patient ist dann kostentreibend, wenn er dem Arzt weniger glaubt als der Nachbarin (bei Kopfweh: Bist Du noch nicht „in der Röhre“ gewesen?, auch wenn die Untersuchung [noch] nicht angezeigt ist), wenn er seine Ratschläge nicht befolgt (bei Zuckerkrankheit und Übergewicht: wenn er trotz Ermahnungen [zuviel] Süssigkeiten isst; oder bei Infarkt oder chronischer Bronchitis: wenn er trotzdem weiterraucht, die nächste Panne provoziert und die Allgemeinheit diese bezahlt), wenn er grundsätzliche Behandlungs-Massnahmen (meist unter Einbezug von Naturmedizin) ablehnt, wenn er ......
2) Eigenwillige Kassenpflicht-Kriterien:
Gewisse billige oder einfache Medikamente werden nicht von den Kassen übernommen, teurere aber schon.
Beispiele:
Unterstützende, einfache Medikamente z.B. bei Infektionen sind oft nicht kassenpflichtig, teurere Antibiotika aber schon.
Schwächere (zwar günstigere) Stütz-Strümpfe sind nicht kassenpflichtig (obwohl diese bei leichteren Beschwerden auch helfen), teurere Kompressions-Strümpfe aber schon. Also wird im Grenzfall halt der teurere, kassenpflichtige abgegeben.
Beim Wirkstoff Paracetamol ist ein billigeres Generikum nicht kassenpflichtig, ein anderer teurerer Vertreter mit gleichem Wirkstoff aber schon.
Ältere (und deshalb billigere) bewährte Kombinations-Mittel sind fast alle aus der Kassenpflicht gefallen und deshalb vom Markt verschwunden, der Arzt muss in manchen Fällen, wenn er den gleichen Effekt will, Einzel-Medikamente abgeben.
Ältere (und deshalb billigere Medikamente) Medikamente müssen nach z.B. 20 Jahren bewährtem Einsatz mit teuren Studien nachweisen, dass sie nützen, nachdem sie ihren Dienst nach diesen 20 Jahren praktischer Erfahrung längst erwiesen haben (aber halt leider nicht nach den heute als Standard geltenden Beweis-Methoden). Dies führt dazu, dass sie von den Firmen fallengelassen werden und durch neue, teure ersetzt werden, weil sich der Nachweis-Aufwand aus Firmensicht für billige Medikamente nicht lohnt.
Viele Naturmittel sind nicht kassenpflichtig, andere teurere konventionelle aber schon.
Natürlich haben diese Regelungen irgendwo durchaus auch einen Sinn, jedoch sollte der Arzt in gewissen Fällen einen Spielraum haben, dass er auch mal (z.B. bei ärmeren Patienten) etwas günstigeres abgeben kann (das dann auch übernommen wird und günstiger ist), anstatt dass er das teurere abgeben „muss“ (damit der Patient es rückvergütet bekommt). Und häufig sind es nicht die Kassen-Gremien, sondern behördliche, in welchen konservativ denkende Wissenschafter sitzen, welche über Bewilligungen entscheiden.
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Wir behalten die Übersicht und Ihre Kosten im Griff.
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3) Ungenügende Kostenübernahme bei Naturmedizin
Sehr zurückhaltende bis fehlende Kostenübernahme von komplementär-medizinischen Leistungen und Medikamenten, auch wenn nachgewiesenermassen die Schulmedizin nicht hilft. Dazu haben wir eindrückliche Fälle mit Briefverkehr bei uns dokumentiert, wo Sondereinsätze und uneigennützige Nachfragen in diesem Sinne bei den Kassen absolut chancenlos abgekanzelt wurden. In einem Fall hat dabei ein alter Patient deswegen den Arzt gewechselt, weil ihm die mehrfach teurere offizielle Schulmedizin nichts brachte, das Gesundheitswesen aber um ein mehrfaches belastete.
4) Kosten-Kontroll-Wesen bei den Ärzten:
Im jetzigen System läuft es so, dass alle Ärzte im Kanton pro Fachgruppe 1x pro Jahr in ihren Kosten gemessen werden. Wer obenaus schwingt, wird zitiert. Vielleicht werden seine Rechtfertigungs-Argumente teilweise akzeptiert, wenn er auch Gründe des seriösen, notwendigen Mehr-Engagements nachweisen kann. Andernfalls wird der Arzt zu Rückzahlung an die Kassen verurteilt. Bei Kennern der Materie sind Fälle bekannt, bei denen solche erklärenden Argumente keine Chance hatten und es zur Rückzahlung kam. In jedem Fall gibt auch das für den Arzt wieder viel Zeitaufwand, Umtriebe und Ärger. Das besondere Problem liegt darin, dass der engagierte Arzt, der sich eingehender mit dem Patienten beschäftigt, was seinen höheren Preis hat, genau gleich bewertet wird bei einer grösseren Anschaffung, welche oft auf die Länge die günstigere Lösung ist, weil dauerhafter als die momentan etwas billigere. Genau so wäre es auch im Beispiel mit dem aufwändigen Patienten und dem grösseren Engagement des Arztes. Hier gilt aber das Gegenteil: Wer als Arzt die Patienten billig abspeist, ist bei den Kassen-Kontroll-Gremien fein raus, weil er im Moment billig ist. Dass sich viele Patienten einen weiteren Arzt suchen, der endlich auf sie eingeht, und damit weitere Kosten verursachen, interessiert nicht. Der erste Arzt in diesem Beispiel macht sich es einfach und wird zusätzlich für sein Minimal-Engagement belohnt, der zweite wird für sein überdurchschnittliches Engagement bestraft mit Schikanen in der beschriebenen Art. Offensichtlich interessieren mittel- und langfristig Kosten-Überlegungen nicht. So hat eine grosse Unfall-Versicherung wegen momentanen Mehrkosten längere Zeit einen Arzt so lange schikaniert, bis sie in der eigenen Statistik feststellte, dass dieser Arzt bei etwas teureren Behandlungskosten die Patienten viel weniger krank schrieb und der Versicherung dadurch mit jedem Patienten eine Menge Geld sparte, dass er also viel kostenbewusster arbeitete. Pikant ist dabei, dass vorherige Gespräche mit der Versicherung anhand von dokumentieren Fällen auf null Verständnis stiessen. Ausser Spesen nichts gewesen. Dem Arzt aber brachte dies viele zusätzliche Umtriebe und Ärger.
5) Komplementär-Medizin-Methoden fördern:
Das Volk verlangt immer mehr Naturmedizin, die Ärzte (der Grossteil von ihnen) verstehen immer noch gleich wenig bis nichts davon, der Anteil gut ausgebildeter Komplementär-Mediziner (Schul- und Naturmedizin beherrschend im Gegensatz zu Alternativ-Medizin nur der Nicht-Schulmedizin-Weg) ist immer noch verschwindend klein. Auf der andern Seite blüht der Naturheilpraktiker-Beruf auf, weil er einem grundlegenden Bedürfnis der Patienten entspricht und weil diese („endlich“) auf den Patienten eingehen (und teilweise sogar besser dazu imstande sind, nämlich bei funktionellen nervenregulatorischen bzw. Befindlichkeits-Beschwerden). Also müssten unsere führenden Köpfe in Politik, Staat und medizinischen Hochschulen die Konsequenz ziehen und schnellstens die Komplementärmedizin in die Ausbildung integrieren und tariflich besser abgelten. Hier wurde durch harte Kämpfe dank dem Vollblut-Einsatz von wenigen Komplementär-Medizinern in Komissionen und dem Wohlwollen gewisser politischer und Kassen-Kreise zumindest in vorbidlicher Weise einige Komplementär-Medizin-Methoden in die Grundleistungen aufgenommen, allerdings gegenüber der Schulmedizin minderbewertet, sodass der sie Ausübende ein Idealist sein muss, um für das Mehr-Engagement (breitere Denk-Anstrengung und Mehrkönnen bei den oft aufwändigeren Fälle in der Naturmedizin) zum Dank (mit seinem Arzt-Unternehmen mit lohnbeziehenden Angestellten) finanziell schlechter gestellt zu werden. Idealisten gibt es bekanntlich nicht so viele, darum zeigt diese Lösung für den bisherigen Arzt nur begrenzten Effekt.
6) Mangelnde Reformen:
Wenn die verantwortlichen politischen und staatlichen Instanzen (von Bundesrat über BSV bis zu Rats-Komissionen) in allem Ernst an einer Kosten-Senkung interessiert wären, würden sie solche Missstände, wie die unter den oben aufgezählten Punkten, schleunigst beheben. Das machen sie aber nicht. Statt dessen wird der Schwarzpeter dauernd einem anderen im Gesundheitswesen Beteiligten herumgereicht bzw. es wird laufend am Endresultat herumpoliert: billigere Prämien, dafür höherer Selbstbehalt, Hausarzt-Modell (inzwischen von grossen Kassen wieder aufgegeben), unpersönliche HMO-Praxen, die vor allem für Patienten geeignet sind, die nicht schwerlich krank sind (chronische schwere Fälle wissen über das abklemmendes Verhalten von HMO-Praxen in grösseren Leidensfällen treu dem Motto „günstig sein“ ein Liedlein zu singen), komplementär-medinische Leistungen und Medikamente begrenzen (der Patient zahlt also mehr [Zusatzprämie], damit er günstigere Medizin beanspruchen kann [sicherlich gibt es Statistiken, die das Gegenteil beweisen, die tägliche Erfahrung am Patienten spricht dagegen]). Ein weiterer Weg wäre, dem Patienten freizustellen, unkompliziert auswählen zu können, ob er in erster Linie den schulmedizinischen oder den naturmedizinischen Weg beanspruchen will (aber nicht gleichzeitig beide voll ausschöpfen, das kommt klar wieder teurer). Beide Wege sollten gleich gut vergütet werden.
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